Sex und Cannabis

Immer wieder taucht das Gerücht auf, Drogen könnten das sexuelle Erleben intensivieren. Was ist dran an der These? Ist das eine Legende, oder gibt es dafür Beweise? Ist Sex und Drogen ein Klischee aus der Flower-Power Ära, New Age Eso Geschwurbel, oder ein Köder um uns in eine Legalisierung zu treiben?

Ja, es gibt sie, die Leute die berauschende Substanzen beim Sex einsetzen. Handelt es sich um synthetische Drogen, so wird üblicherweise von «Chemsex» (auch: «Party and Play») gesprochen. Neben diesen Substanzen, gilt gerade Cannabis als Stimulanz und Verstärker par exellence was – bei geübten Cannasseuren – zumeist gut funktioniert.

1. Cannabis und Sex – Sex Yoga, Tonikum und Reefer Madness

Nicht erst die sogenannte Hippie-Bewegung entdeckte die sexuell stimulierenden Wirkungen von Cannabis. Bereits in der Atharvaveda – einem der heiligen Bücher des Hinduismus, das etwa im Jahr 1000 v.u.Z. enstanden ist – werden Zubereitungen aus dem indischen Hanf für das Liebesleben besprochen (vgl. Aldrich 1977, S. 228). Aldritch (1977, S. 229) schreibt darüber hinaus: «Sex-Yoga entwickelte sich gleichzeitig mit dem «Drogen-Yoga» in der späten vedischen Epoche. Die Chandogya Upanishad vergleicht den sexuellen Akt mit einem vedischen Feueropfer: „Die Frau ist das Feuer, ihr Schoß der Brennstoff, die Einladung des Mannes der Rauch. Die Tür ist die Flamme, das Eintreten die Glut, die Lust der Funke. In diesem Feuer bilden die Götter die Opfergabe.“» Cannabis fügt sich passend in dieses Bild, da es in der Hindu-Volksmedizin «als exzellentes Aphrodisiakum gehandelt [werde].» (vgl. auch: Campbell 1894) In der zeitgenössischen Rezeption, wird Sex-Yoga insbesondere den tantrischen Lehren zugeschrieben, was heute jedoch eher als westliche Verknüpfung von «New Age» und traditionellen Lehren verstanden wird (auch bekannt als «Neo-Tantra»), aber nun genug von religiöser Esoterik.

Auch dem Westen sind die aphrodisierenden Eigenschaften des Cannabis, vor der «Reefer-Madness-Ära» durchaus bekannt gewesen. So waren handgefertigte Pillen und Extrakte über 100 Jahre keine Seltenheit in US-Amerikanischen Apotheken. Erst die nahezu apokalyptische Kriminalisierung machte aus dem Liebesmittel eine willensraubende Substanz, die vor allem Frauen zu «sexuellem Fehlverhalten» verleiten sollte, in dem sie «relations with negros and entertainers» (H. Anslinger) aufnahmen. Letztlich war es diese rassistische und sexistische Propaganda, die dabei half, dass Cannabis einer widersinnigen Prohibition zum Opfer fiel, deren Konsequenzen auch heute noch spürbar sind.

2. Die Studienlage zu Cannabis und Sex

In Deutschland waren die Themen wie lustbetonte Sexualität und hedonistischer Drogengebrauch lange Zeit ein gesellschaftlich heißes Eisen. Erst die rebellierenden Subkulturen der ausgehenden 1960er Jahre eröffneten den betreffenden Diskurs und damit auch das Forschungsfeld. Während seiner Zeit am Hamburger Institut für Sexualforschung veröffentlichte der renommierte Drogenforscher Günter Amendt unter dem Titel «Haschisch und Sexualität» (1974) eine der ersten ernstzunehmenden Studien zum Thema.

Sein Resümee: «Die in der Öffentlichkeit — teilweise auch der wissenschaftlichen Öffentlichkeit den Drogen Haschisch und LSD zugeschriebene Eigenschaft, sexuell positiv stimulierend zu sein, lässt sich aus dem Untersuchungsmaterial schlüssig nicht ableiten, obwohl einige Angaben Hinweise auf die Richtigkeit dieser Hypothese geben. Aber wenn auch fraglos ein signifikanter Zusammenhang zwischen Sexualverhalten in der Subkultur und bestimmten in der Subkultur gebrauchten Drogen festzustellen ist, so ist damit noch nicht die Frage beantwortet, in welcher Abhängigkeit die jeweiligen Variablen zueinander stehen.» (Amendt 1974, S. 109 (eigene Hervorhebung))

Nur wenige zeitgenössische Studien widmen sich dem Thema. Eine der umfassenderen Erhebungen aus Deutschland zu diesem «Pharmacosex» (vgl. Moyle et al. 2020) trägt den Titel «Wirkungen psychoaktiver Substanzen auf das Bedürfnis nach Liebe, Zärtlichkeit und Sex sowie auf die sexuelle Performance» von J. Eul und R. Verres (2016). An dieser Stelle vielen Dank an das Hanfmuseum Berlin, für den wertvollen Hinweis. Die Studie adressiert 1616 im Umgang mit Drogen erfahrene Personen mit anonymen Fragebögen zu Veränderungen im Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit, im Bedürfnis nach Sex sowie in der Fähigkeit zur Ausführung von Sex nach dem Konsum neun verschiedener, standardmäßig erfasster, sowie 25 weiterer Drogen im Vergleich zum nüchternen Normalzustand. Dabei wurde die größte Steigerung des Bedürfnisses nach Liebe – verbunden mit einer deutlich angehobenen Libido – dem MDMA (Ecstasy) und nachfolgend Cannabis zugeschrieben. Kokain befähigt der Studie zufolge zu sexueller Mehrleistung, führt jedoch nicht zur Steigerung von Liebes- oder Nähebedürfnis.

Hier das Ergebnis der Studie, zusammengefasst von den Autoren: „Die Wirkungen psychoaktiver Substanzen auf Liebe und Sexualität können zwar von der Art und der Dosis der konsumierten Droge abhängen; zusätzlich zu den Wechselwirkungen zwischen psychoaktiven Substanzen, Sexualhormonen und Neurotransmittern spielen jedoch auch Set (Einstellungen und Motive der Konsumenten, Merkmale der Paarbeziehung) sowie das Setting (situative Kontextbedingungen) eine Rolle bei drogeninduzierten Veränderungen sexuellen Erlebens. Eine erhöhte Libido geht vor allem beim Konsum von MDMA (Ecstasy) und Cannabis oft mit einem erhöhten Bedürfnis nach Liebe und Zärtlichkeit einher. Bei Speed, Kokain, hochdosiertem Alkohol oder Poppers wird – insbesondere bei Männern – das Bedürfnis nach Sex signifikant stärker erhöht als das Bedürfnis nach Liebe. Eine Entkoppelung von sexueller Erregung und Liebesgefühlen kann u.U. eine verstärkte Bereitschaft zu problematischem Verhalten wie etwa Nichtbeachtung von Empfängnisverhütung oder (sexuellen) Gewalttaten nach Konsum dieser Substanzen mit sich bringen. Umgekehrt kann eine Verstärkung von Liebesgefühlen nach dem Konsum von Substanzen wie Ecstasy oder Cannabis zu einer positiven Bewertung dieser Substanzen beitragen.“ (Eul/Verres 2016, S. 159 (eigene Hervorhebung))

3. Cannabis ist kein Potenzmittel

Doch wer nun glaubt, die Wirkung von Cannabis sei ähnlich der blauen Pillen zur Potenzsteigerung, irrt. Die gesunde und verstärkende Wirkung von Cannabis auf das Erleben des Liebesaktes hängt von vielen Faktoren ab, weshalb es besser von erfahrenen oder zumindest geübten Leuten im klaren Konsens zur Lustintensivierung eingesetzt werden sollte. Es schaltet das Empfinden nicht ab, im Gegenteil. Auch Amendt (1974, S. 110) bemerkt in seiner Studie: «Die Ergebnisse meiner Untersuchung zeigen, dass außerhalb liegende Persönlichkeitsvariablen hinzukommen müssen, um den entsprechenden Drogen die beschriebene Wirkung zu verleihen.»

Wer sich für Pharmacosex interessiert, sollte also die Erwartungshaltung hinten anstellen und mit Vertrauen in das Selbst und die Beteiligten experimentieren. Die bekannte «blauen Pille» vermag es zwar, eine ziemlich lange (mitunter unangenehme) Erektion zu provozieren, wirklich steuerbar ist dieser Zustand jedoch nicht. Mit dem was im Cannabis-Rausch oder mittels MDMA passiert, ist das nicht zu vergleichen. Die Hoffnung der Forschenden in den 70ern, erektile Dysfunktion und andere sexuelle Hindernisse bei mit Glied ausgestatteten Probanden mit Cannabis effektiv behandeln zu können, erfüllte sich nicht (vgl. auch: Pizzol et al. 2019).

Geschlechtsspezifische Unterschiede sind signifikant, und eine der Ursachen für teilweise widersprüchliche Studienergebnisse. Laut einer Studie von Lynn et al. (2019, S. 192) gibt es deutliche Anzeichen dafür, dass Cannabis das sexuelle Erleben von Frauen signifikant verbessert. Die Autoren dokumentierten: «Die meisten Frauen berichteten über eine Steigerung des Sexualtriebs, eine Verbesserung des Orgasmus, [sowie] eine Abnahme der Schmerzen». Diese Erkenntnis wird von einigen weiteren Studien unterstützt (vgl. Wiebe/Just 2019; Kasman et al. 2020).

Bei Männern präsentiert sich die Studienlage ambivalenter: Während einige Studien einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und Erektiler Dysfunktion (Pizzol et al. 2019), sowie weiteren sexuell-relevanten Pathologien sehen, deuten andere Studien auf eine qualitative Verbesserung des sexuellen Erlebens hin (Bhambhvani et al. 2020; Shiff et al. 2021).

Die Gründe für diese widersprüchlichen Ergebnisse sind multifaktoriell. Zum einen, da es sich bei den Studien zum größten Teil um selbstberichtete Online-Umfragen handelt, die ihn ihrer Repräsentativität und Aussagekraft immer als eingeschränkt gelten, sowie zum Anderen, da sich die Konsummuster in einer binären Geschlechteraufteilung stark unterscheiden. So wird üblicherweise davon ausgegangen, dass männliche Cannabisgebraucher eine höhere Konsumfrequenz aufweisen und dabei höhere Dosen konsumieren, wobei auch die Tendenz zum Mischkonsum mit Alkohol und Tabak erhöht ist (Cuttler/Mischley/Sexton 2016). Alle der genannten Faktoren stehen statistisch betrachtet im Verdacht erektile Dysfunktion zu begünstigen (Allen/Walter 2018).

4. Woran kann es liegen, dass die Wahrnehmung im Sex durch Cannabinoide so angenehm gesteigert werden kann?

Zu dieser Frage gibt es bisher keine abschließenden Forschungsergebnisse, wobei eine enge Verknüpfung zwischen dem körpereigenen Endocannabinoidsystem mit den für das Sexualverhalten assoziierten Hormonen und Neurotransmittern nachgewiesen ist (vgl. Lynn et al. 2019, S. 193; Pfaus 2009).

Eine auf einfache Sprache herunter gebrochene Theorie kann wie folgt zusammengefasst werden: Der Cannabis Rausch reduziert die Filterfunktion an den Synapsen. Wir sind permanent einer Flut von Eindrücken, Signalen und Reizen ausgesetzt, das Gehirn muss diese Reize filtern, damit wir einigermaßen vernünftig reagieren können, ohne von der permanenten Flut überwältigt zu werden. Das geschieht an bestimmten Synapsen und nennt sich «Gate Controlling», ein Begriff aus der Schmerzmedizin. Es kann z. B. ein Bewegungsreiz einen Schmerzreiz überlagern. Tritt dann Ruhe ein, kommt der Schmerzreiz wieder. Ein anderes Beispiel ist die Kleidung, die wir tragen. Wir spüren sie nicht, weil das herausgefiltert wird solange nichts außergewöhnliches passiert, damit wichtigere Signale passieren können. Brennt die Hose, kommen die sehr wichtigen Signale wieder in das Bewusstsein durch. Wird nun dieser Filter durch Cannabinoide reduziert, was nachweislich der Fall ist, steigen die Eindrücke die verarbeitet werden müssen an. Das wiederum kann das Kurzzeitgedächtnis überfordern, mit den bekannten Folgen der Vergesslichkeit und der irrtümlich als kognitive Dissonanz wahrgenommenen Verwirrtheit, dabei sind es vermutlich die vermehrten Informationen die zu mehr Fehlern führen können, denn damit umzugehen erfordert Übung (vgl. auch: Pollan 2011). Um Irritationen zu vermeiden wird nicht zuletzt aus diesem Grund die vorsichtige Anfangsdosierung empfohlen.

Beim Sex ist dies möglicherweise einer der Gründe für die intensivierte Wahrnehmung von Gefühlen und Reizen, und ich schreibe möglicherweise weil der wissenschaftliche Beleg dafür fehlt. Das sind Thesen und Schlussfolgerungen auf der Basis von stark verkürzten Vorgängen in der Neurophysiologie und unzähligen Erfahrungsberichten. Hinzu kommen Hinweise auf unterschiedliche Auswirkungen in biochemischen Vorgängen auf Zellniveau bei sexueller Erregung, und die verschiedenen Effekte auf das Gehirn durch Geschlechterdiversität. Mit anderen Worten: Es ist kompliziert!

5. Macht Cannabis den Sex automatisch gut?

Nein, macht es nicht. Es kann auch verrutschen und in einem Desaster enden, aber das muss es nicht, wenn ein paar Dinge beachtet werden. Ein Nein ist ein Nein, und ein Stop bedeutet Stop! Erste Empfehlung und Regel: Start low, go slow. Das bedeutet, fangt mit geringer Dosierung an, und steigert langsam um eine Überdosierung zu vermeiden, bei der ihr womöglich mit euren überwältigenden Gefühlen nicht mehr klar kommt. Experimentiert alleine, wenn ihr unsicher seid, auch autoerotische Erfahrungen können mit Cannabis intensiviert werden und mit etwas Übung werden Spiele mit Anderen sicherer. Absprachen sind ein gutes «Gerüst», aber sie sollen nicht den Fluss eures Spiels blockieren. Absprachen über Signale und «Safewords» sind dagegen bindend, und bleiben es auch im Rausch von Sativa und Co.

Intransparenz oder gar das Unterschieben einer mit Cannabis angereicherten Speise sind selbstverständlich tabu. Cannabis macht nicht willenlos, wie die lange und niederträchtige Propaganda der Reefer Madness suggerierte.

6. Untergeschobenes Haschisch, oder: Wie es nicht laufen sollte

Folgendes Beispiel, welches sich im Bekanntenkreis so zugetragen hatte, zeigt wie es nicht laufen sollte: Die Mutter eines jungen Erwachsenen mit gutbürgerlichem Hintergrund bekommt mit wie er Haschkekse backt. Sie überredet ihren Sohn, ihr zwei der Kekse abzugeben. Nun war die Frau nicht sehr glücklich in ihrer Ehe, die schon lange andauerte, und weil ihr Sohn immer so lustig war, wenn er diese Kekse gebacken hatte, teilte sie diese mit ihrem Mann ohne ihn über die Wirkung zu informieren, auch aus Furcht den Sohn damit an den autoritären Vater auszuliefern. Sie versprach sich davon endlich mal wieder einen heiteren Abend mit ihrem Ehepartner. Sie essen also zusammen die Kekse, und setzen sich ins Wohnzimmer vor den Fernseher wie jeden Abend. Vater kippt seinen Whisky in der üblichen nicht ganz so geringen Menge dazu.

Irgendwann kann sie nicht mehr verstehen, was im Fernseher geredet wird, und bittet ihren Mann, mal nachzusehen, was da nicht stimmt. Er findet das auch irgendwie seltsam, steht auf und läuft gegen den Wohnzimmerschrank. Sie bekommt Panik, er schimpft, dass ihm die Kollegen wohl K.O. Tropfen in den Whisky getan haben und wankt ins Bett. Sie sitzt mit ihrem Gefühlschaos total high alleine im Wohnzimmer, der Abend ist gelaufen.

Dieses traurige Negativbeispiel zeigt, dass es Risiken gibt, die wir aber durch unser Verhalten reduzieren, minimieren können. Was als Anekdote witzig klingt ist für die Betroffenen ein Desaster. Seid offen, ehrlich und transparent, dann ist Cannabis sicher. Harter Alkohol verträgt sich schlecht mit Cannabis, und alle Beteiligten müssen wissen, dass sie Cannabis anwenden.

7. Was tun, wenn es schief geht?

Was tun, wenn es doch verrutscht? Stoppt das Spiel! Hohe Gaben von CBD können die Wirkung von THC abmildern, aber Vorsicht: Zu niedrige Dosierung ist dagegen verstärkend. CBD wirkt bei Frauen effektiver als bei Männern.

Trinken, Snacks, Ruhe. Zeigt, dass ihr da seid, wenn ihr gebraucht werdet, aber drängt nicht, ihr könnt später über die Situation reden. Eine Hand, vorsichtig auf die Schulter gelegt oder einfach daneben sitzen, reicht oft. Will die Person alleine sein, geht.

Keine Panik! Erinnert euch daran, dass fast alle negativen Episoden mit dem akuten Rausch enden, und sorgt dafür es bis dahin nicht noch schlimmer zu machen. Wenn ihr eine gute Situation schafft, mit Menschen die ihr liebt oder auch nur sexuell anziehend findet und denen ihr vertraut, könnt ihr mit Cannabis zweifellos intensiven, guten Sex erfahren.

Viel Spaß!

Anmerkung des Autors:

Der Text ist in Zusammenarbeit mit Dirk Netter im Dezember 2021 entstanden, und sollte ursprünglich bei Lucy´s Rausch erscheinen. Aus unklaren Gründen wurde dies durch die Redaktion über jedes erträgliche Maß verzögert und behindert. Abgesehen davon, das einem Armutsmenschen wie mir jedes entgangene Einkommen schmerzt, es steckt ne Menge Arbeit und Zeit in dem Artikel, bestätigt diese Erfahrung meine Skepsis und mein Misstrauen gegenüber Redaktionen und dem journalistischen Betrieb allgemein. Diesen Artikel könnt ihr Raubmordkopieren und verwenden wie es euch beliebt. Falls ihr das kommerziell tut (tut das nicht!), oder euch diese Arbeit gefällt, könnt ihr euren Respekt mit Spenden zeigen: https://paypal.me/Fortbildung?country.x=DE&locale.x=de_DE

Quellenangaben:

Aldrich, M. R. (1977): Tantric Cannabis Use in India. In: Journal of Psychedelic Drugs, 9. Jg., H. 3, S. 227–233.

Allen, M. S./Walter, E. E. (2018): Health-Related Lifestyle Factors and Sexual Dysfunction: A Meta-

Analysis of Population-Based Research. In: The Journal of Sexual Medicine, 15. Jg., H. 4, S. 458–475.

Amendt, G. (1974): Haschisch und Sexualität. Eine empirische Untersuchung über die Sexualität Jugendlicher in der Drogensubkultur. Stuttgart.

Bhambhvani, H. P./Kasman, A. M./Wilson-King, G./Eisenberg, M. L. (2020): A Survey Exploring the Relationship Between Cannabis Use Characteristics and Sexual Function in Men. In: Sexual Medicine, 8. Jg., H. 3, S. 436–445.

Campbell, J. M. (1894): Note on the religion of Hemp. In: Report of the Indian Hemp Drugs Commission.

Cuttler, C./Mischley, L. K./Sexton, M. (2016): Sex Differences in Cannabis Use and Effects: A Cross-Sectional Survey of Cannabis Users. In: Cannabis and Cannabinoid Research, 1. Jg., H. 1, S. 166–175.

Eul, J./Verres, R. (2016): Wirkungen psychoaktiver Substanzen auf das Bedürfnis nach Liebe,

Zärtlichkeit und Sex sowie auf die sexuelle Performance – Ergebnisse einer Umfragestudie bei 1 616 Personen mit überwiegend multipler Drogenkonsumerfahrung. In: Suchttherapie, 17. Jg., H. 04, S. 153–160.

Kasman, A. M./Bhambhvani, H. P./Wilson-King, G./Eisenberg, M. L. (2020): Assessment of the Association of Cannabis on Female Sexual Function With the Female Sexual Function Index. In: Sexual Medicine, 8. Jg., H. 4, S. 699–708.

Lynn, B. K./López, J. D./Miller, C./Thompson, J./Campian, E. C. (2019): The Relationship between Marijuana Use Prior to Sex and Sexual Function in Women. In: Sexual Medicine, 7. Jg., H. 2, S. 192–197.

Moyle, L./Dymock, A./Aldridge, A./Mechen, B. (2020): Pharmacosex: Reimagining sex, drugs and enhancement. In: The International Journal on Drug Policy, 86. Jg.

Pfaus, J. G. (2009): REVIEWS: Pathways of Sexual Desire. In: The Journal of Sexual Medicine, 6. Jg., H. 6, S. 1506–1533.Pizzol, D./Demurtas, J./Stubbs, B./Soysal, P./Mason, C./Isik, A. T./Solmi, M./Smith, L./Veronese, N.

(2019): Relationship Between Cannabis Use and Erectile Dysfunction: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: American Journal of Men’s Health, 13. Jg., H. 6, S. 1557988319892464.

Pollan, M. (2011): Michael Pollan: „Cannabis, The Importance of Forgetting, and the Botany of Desire“. https://www.youtube.com/watch?v=S7QA7Ae1ENA (7. Februar 2022).

Shiff, B./Blankstein, U./Hussaen, J./Jarvi, K./Grober, E./Lo, K./Lajkosz, K./Krakowsky, Y. (2021): The impact of cannabis use on male sexual function: A 10-year, single-center experience. In: Canadian Urological Association Journal, 15. Jg., H. 12, S. E652–E657.

Wiebe, E./Just, A. (2019): How Cannabis Alters Sexual Experience: A Survey of Men and Women. In: The Journal of Sexual Medicine, 16. Jg., H. 11, S. 1758–1762.

Howto Karl anschreiben

Hier gebe ich euch, wie versprochen, ein paar lose zusammengeschriebene Textbausteine für Briefe/Mails an das Bundesgesundheitsministerium, speziell an Bundesminister Karl Lauterbach, zu eurer freien Verfügung. Nehmt, was ihr brauchen könnt, ergänzt, ignoriert, aber schreibt Karl an folgende Adresse:

Gesundheitsminister Dr. Karl Lauterbach, Gesundheitsministerium Friedrichstraße 108, 10117 Berlin, Postanschrift 11055 Berlin

Sehr geehrter Bundesminister für Gesundheit Professor Doktor Karl Lauterbach

Die Legalisierung ist in aller Munde und steht als gemeinsame Willenserklärung der Koalition im Koalitionsvertrag. So weit fortgeschritten waren wir zuvor auf Bundesebene noch nie. Der Boden für einen Paradigmenwechsel in der Suchtpolitik ist also bereitet.

Seit dem ersten Urteil zum Cannabis Verbot durch das Bundesverfassungsgericht im Jahre 1994 hat die Bundespolitik es versäumt, die Vorgaben des Urteils zur geringen Menge bundesweit einheitlich umzusetzen. Wir haben angeblich 6g in Bayern, die dennoch selbst bei lächerlich geringen Mengen kaum Betroffene vor Verfolgung und Strafen schützen, und als Gegenpol Berlin, mit 10g straffrei und bis 15g im Ermessen der Staatsanwaltschaft. Dazwischen ist jede Menge möglich, je nach Bundesland. Die Bundesländer hatten im Nachklang des Urteils im Gegensatz zum Bund eine Verpflichtung darin gesehen, die Vorgabe aus dem höchsten Verfassungsgericht umzusetzen. Das ist zwar lobenswert, aber Rechtssicherheit für Betroffene sieht anders aus. Frau Wegge sagte am 02.05.2022, die kann Bestimmung sei eine Anweisung an die StA, von einer Anklage abzusehen, bei geringer Menge ohne Handel. Entkriminalisieren Sie sofort die geringe Menge Cannabis bundesweit einheitlich.

Alle drei Minuten kommt ein/e BürgerIn in Deutschland wegen Cannabis mit dem Gesetz in Konflikt. Darunter viele Jugendliche und junge Leute, denen durch den Entzug der Fahrerlaubnis die Perspektive auf ein Leben in Arbeit und Wohlstand genommen wird, die mit entwürdigenden Prozeduren wie die Colonbeschau auf der Wache oder auch im Park durch Polizei terrorisiert werden. Das trifft zu 80% KonsumentInnen und KleinhändlerInnen, und wenn die SPD die Partei der sozialen Gerechtigkeit ist, dann kann sie es hier beweisen. Setzen sie sich für die 4+ Millionen BürgerInnen ein, und beenden sie das würdelose Unrecht.

In den vergangenen 15 Jahren haben etliche US-Bundesstaaten und über ein Dutzend Länder Cannabis als Medizin und Genussmittel erlaubt, und es folgen mehr und mehr nach. Es gibt sehr viele, überwiegend frei verfügbare Daten zu den Folgen einer Legalisierung für Gesellschaft und Individuen. Keine Evidenz deutet darauf hin, dass eine Entkriminalisierung als erster Schritt ein Fehler ist, der vermieden werden muss. Im Gegenteil, die sofortige Entkriminalisierung bringt Entspannung in der Gesellschaft und bereitet die Menschen auf die Regulierung vor. Nicht eins der problematischen Szenarien, die heraufbeschworen wurden, trat ein, abhängig von der Form der Regulierung. Nicht ein Land oder Bundesstaat hat die Entkriminalisierung und Legalisierung von Cannabis und Hanf zurückgenommen.

Insgesamt kann anhand von Evidenz gesagt werden, dass die Legalisierung und Regulierung einer oder mehrerer Substanzen mehr positive als negative Folgen hat, und somit gesellschaftspolitisch dem Verbot vorzuziehen ist, dass erwiesenermaßen viel unnötiges Leid erzeugt. Der Schutz der Volksgesundheit erfordert die Legalisierung, denn sie kann die Leute besser schützen als das Verbot.

Internationale Organisationen wie das ICDC oder UNDOC haben die problematischen Auswirkungen des Kriegs gegen Drogen erkannt. Es wurde kein Land mit einer Legalisierung wegen Verstoß gegen internationale Vereinbarungen sanktioniert oder auch nur ermahnt. Die Bindung an internationale Vereinbarungen ist nicht so stark, wie suggeriert wird. Kanada wurde nicht bestraft.

Cannabis ist nicht ansatzweise so gefährlich, wie irrtümlich angenommen wird, das wurde belastbar belegt. Das Heilkraut ließe sich mit ein paar Anpassungen im Tabak- und Alkoholgesetz regulieren, und wäre dann von den 3 Substanzen die am wenigsten schädliche. Das Verbot ist in seiner Entstehung historisch belegt von Rassismus und dem Wunsch Minderheiten zu zerschlagen und zu kontrollieren bestimmt worden. Hanf und Cannabis aus der Apotheke waren alltägliche Medikation und Genussmittel, Rohstoffspender und Ackerbodenreiniger. Deutschland, besonders Bayern und Saarland, haben eine lange Tradition und Kultur als Hanfbauern. Wir sind also kulturell nicht so weit vom Hanf entfernt, wie uns glauben gemacht werden soll.

PatientInnen, denen mit Cannabis geholfen werden kann, sind auch nach 5 Jahren Verordnung zur Versorgung mit med. Cannabis Versorgungsengpässen und großen Problemen bei der Kostenübernahme und bei der Arztsuche ausgesetzt. Das ist unhaltbar. Sorgen Sie bitte schnell für die Abschaffung des Genehmigungsvorbehalts und regulieren Sie die irren Preissteigerungen im BfArM und in den Apotheken, die den Zugang zusätzlich erschweren.

Ich bin überzeugt, die Deutschen können mit einer Legalisierung umgehen, und bereit meinen Beitrag zu leisten. Gehen auch Sie bitte die Legalisierung von Cannabis als Heil- und Genussmittel umgehend an. Es eilt sehr.

Beenden Sie das historische Unrecht, wie es bei unseren größten westlichen Verbündeten, den USA, ganz offen genannt wird. Zeigen Sie Entschlossenheit in der Beseitigung der Schäden, die dieses Unrecht in unserer Gesellschaft verursacht hat. Entkriminalisieren Sie sofort, und lassen sie einen Entwurf für einen Legalisierungsfahrplan erstellen. Die Zeit drängt.

Wieder und wieder werden Minderjährige Polizeiwillkür ausgeliefert. Das Bild, das diese jungen Menschen sich dann von Staat und Exekutive machen, kann doch nicht gewollt sein. Wer mit Teenagern zu tun hat, weiß wie wichtig die eigene Intimsphäre ist. Sie wegen einem Verdacht auf Cannabis dieser entwürdigenden Prozedur auszuliefern, ist klares unverhältnismäßiges Unrecht. Bitte beenden sie dieses Unrecht so schnell wie möglich.

Cannabis und die DealerInnen

Die Legalisierung steht vor der Tür. Wirtschaft, Industrie, NGO und der Weedmob machen Druck auf die Politik, das Ziel mögen sie teilen, aber die Interessen sind verschieden.

Da gibt es die nicht so kleine „ich will endlich in Ruhe kiffen und kaufen ohne Angst haben zu müssen“ Fraktion, und das ist ein legitimes und nachvollziehbares Anliegen. Hinzu kommt die „Ich habe mich so lange für eine Freigabe eingesetzt, jetzt will ich auch profitieren“ Fraktion, auch in gewisser Weise nachvollziehbar. Dann haben wir die recht neue „Wir haben das Kapital und die legalen Produktionsmittel“ Fraktion, die für eine flächendeckende Versorgung unentbehrlich ist. Die wird neuerdings unterstützt von Wirtschaftskompetenz aus dem akademischen Bereich. Klar gab es vorher schon Fachleute mit kompetenten Einschätzungen, neu ist die Offenheit, mit der die Auswirkungen einer Legalisierung auf Wirtschaft und Gesellschaft erforscht werden, und die Breite, die das erreicht. Dann haben wir die Organisationen aus der Exekutive, wie LEAP Deutschland und aus der Judikative, wie der Schildower Kreis, die schon lange immer wieder die Probleme aufzeigen, die durch das Betäubungsmittelgesetz entstehen.

Nicht zuletzt die PatientInnen, denen der Zugang zu ihrem Medikament erschwert wird, und die für das Medikament weiterhin kontrolliert und polizeilich verfolgt werden. Jede Abweichung vom Rezept wird kriminalisiert. Die UnternehmerInnen, die jetzt schon ganz gut am Cannabis Frühling mitmischen, sind auch noch da und ziehen ihre Konzepte durch.

Und natürlich all jene, die seit Jahrzehnten unentgeltlich aktiv sind, in Suchthilfeorgas, als Vereine, als Museum und als offene Beratung für Betroffene, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Alle diese Leute beteiligen sich jetzt und positionieren sich, oder sind bereits positioniert, beraten, lobbyieren, machen PR und Marketing, aber eine Gruppe wird von der Mehrheit übersehen. Diese Gruppe wird verächtlich gemacht, ausgegrenzt und unter Generalverdacht gestellt. Sie haben keine Lobby und sind nicht selten ihrer Freiheit beraubt.

Es sind die Leute, die in 50 Jahren Krieg gegen Drogen die Versorgung mit Drogen gesichert haben, landläufig DealerIn genannt. Gegen DealerInnen gibt es viele Vorurteile. Ein/e DealerIn ist demnach ein moralisch verkommenes Wesen ohne Skrupel, ein Sklave der Organisierten Kriminalität (OK), mit ruchlosen Motiven, zu allem fähig, sogar zur Kindervergiftung.

Das ist bis heute eine sehr verbreitete Meinung und ich finde, es ist Zeit damit aufzuhören, und sich in Zeiten der aufkeimenden Legalisierung einen etwas genaueren Blick auf diese teilweise mutigen und wichtigen Leute zu richten. Ich selbst war nie ein guter Händler, Geld ist nicht mein Ding, wenn ich es nicht ausgeben kann, aber: 4-8 Millionen Menschen in Deutschland haben Erfahrung mit Cannabis. Das ergibt einen recht beachtlichen Bedarf, der ja trotz des Verbots gedeckt wurde, und die Steigerung des Konsums seit 1995 auch, wie ist das also möglich?

Von der illegalen Großproduktion der OK bis zur RentnerIn mit Growzelt ist so ziemlich alles dabei. Cannabis Konsum und Handel zieht sich durch alle Schichten, das ist Realität. Die Frage ist: warum verdrängen nahezu alle der oben genannten Fraktionen die Tatsache, dass eine Versorgung ohne die Energie der DealerInnen nicht da gewesen wäre? Das ist Unternehmertum, es sind na klar kaum Altruisten. Ein paar inzwischen angesehene UnternehmerInnen haben ihr Startkapital so erworben, mit Cannabis Handel, andere finanzieren ihr Studium oder bessern ihre Rente auf. Wer also bereit ist unternehmerische Risiken zu tragen, und über die Verbindungen verfügt, kann loslegen. Andere werden für ihr unternehmerisches Risiko geachtet und im Scheitern gestützt, dieses Unternehmertum jedoch wird verfolgt und hart bestraft. Sehr hart.

Der Bereich der OK ist hochproblematisch, darüber müssen wir nicht reden. 2-5 Leute dagegen, die sich aufmachen in ein Ursprungsland, eine ordentliche Investition tätigen und selbst schmuggeln, sollen den Respekt bekommen, den sie verdienen. Leute, die auf ihrem eigenen Boot Haschisch schmuggeln, verdienen Respekt. Sie tragen ein hohes Risiko, die Fracht landet schnell mal im Meer, wenn im Ärmelkanal gerade kontrolliert wird, oder ein Umweg über Schottland und Nordsee gefahren werden muss, der alles durcheinander bringt. Die Einkäufe in den Ursprungsländern sind auch nicht gerade ein Spaziergang, wer respektiert werden will, muss wissen wie das geht und es bleibt riskant. Immer.

Dieser ganze Aufwand und Stress, damit wir korrekte Qualität zu fairen Bedingungen kaufen können, und dann die vergessen, die das gewährleisten?

Das ist nur ein Beispiel. Was ist mit RentnerInnen, die kleine Produktionen laufen haben und davon an eine/n KleinhändlerIn was abgeben? Sind die unmoralisch oder gar skrupellos? Was ist mit Leuten, die sich illegal organisieren, um sich zu versorgen? Sind die auf einer Stufe mit den Angels oder Clans? Vor dem BtMG sind sie es, und in der öffentlichen Meinung leider auch. Das sollten wir überdenken.

So ist dieser Blog also ein Pladoyer für mehr Differenzierung beim Betrachten der HändlerInnenszene, und eine Aufforderung nicht alle in einen Topf zu werfen. Wenn OK ein Problem ist, fangen wir doch damit an zwischen echter OK und einer handvoll organisierter SchmugglerInnen ohne Begleitdelikte zu unterscheiden. Die Korrekten sind nicht nur durch das Gesetz permanent bedroht, sondern auch durch die OK, die ihre Märkte will, wenn sie das mitbekommt, oder verhindern will, dass eigene Märkte leiden, nicht selten mit Gewalt. Korrekte Leute mögen Gewalt nicht so, haben also einen echt miesen Job, damit wir kiffen können. Ich wünsche mir, dass das verstanden wird. Denn nur dann kann aus meiner Sicht begonnen werden, das Unrecht zu heilen, dass aus den 50 Jahren Krieg gegen Drogen resultierte. Es wäre also klug eine Amnestie für reine Cannabis Delikte im Bereich Handel, Schmuggel und Produktion ohne Begleitdelikte wie Gewalt und Erpressung auszusprechen, und die Einträge dann zu löschen. Betroffenen sollten Angebote gemacht werden, sich aktiv am Aufbau einer guten Infrastruktur für eine Legalisierung zu beteiligen. Eine Bevorzugung bei der Vergabe von Lizenzen wäre möglich, siehe New York.

https://nycourts.gov/courthelp//Criminal/marihuanaExpunge.shtml

Die Probleme mit der Steuer lassen sich so leider nicht lösen, aber es wäre eine Geste, und mit Job ist leichter abzahlen, als ohne. Zusätzlich zu den Freiheitsstrafen gibt es noch Ärger mit Finanzamt weil Einkommen aus illegalem Handel nicht versteuert wurde, ist gut zu wissen.

Es würde viel Zeit sparen, wenn wir den vom historischen Unrecht Betroffenen etwas mehr Vertrauen schenken. Die in einer Legalisierung einfach zu übergehen ist zumindest oberflächlich und unanständig, und wird zu interessanten Reaktionen führen. Mark my words.

https://www.europahaus-marienberg.eu/diskutabel-podcast

Die Legalisierung kommt!

Klar freue ich mich sehr über die Aussicht auf eine konsequente Legalisierung von Cannabis. Als über 43 Jahre von Kriminalisierung und Verfolgung Betroffener ist das eine Perspektive, auf die ich die Hoffnung schon beinahe aufgegeben hatte, und die mich sehr erleichtert.

Es ist zu früh, um Einzelheiten zu erfahren. Wie die kommende Regulierung, eine Legalisierung wird es kaum sofort sein, aussehen soll, bleibt unklar. Fachgeschäfte, lizenziert und kontrolliert, sollen es ersten Meldungen zufolge sein. Geldmenschen wittern einen jungen, unerfahrenen Markt, und die allermeisten KonsumentInnen wollen nur in Ruhe Qualität konsumieren, vorzugsweise aus dem Fachgeschäft, oder aus dem Garten.

Dass dieser Erfolg ein Zusammenspiel vieler Faktoren ist, versteht sich von selbst. Eine Lizenzvergabe an finanzstarke Player, bevor geregelt ist, wie mit dem historischen Unrecht umgegangen wird, das Leute für Cannabis Handel und Besitz ins Gefängnis brachte und bis heute bringt, ausgeschlossen. Eine Politik, die das Unrecht nicht erkennt, anerkennen will, wird wenig ändern. Lernen wir von Kanada, deren Fehler wir nicht wiederholen müssen. Das Land hatte am Anfang der Regulierung eine scharf kritisierte, an der Wirtschaft orientierte Struktur, was wenig Auswirkung auf dem Schwarzmarkt hatte und all jene benachteiligte, die nicht im Fachgeschäft kaufen wollen. Mittlerweile wurde davon abgerückt, und in dem Maße, wie die Kommunen und Kieze einbezogen wurden, wurde auch der illegale Markt zurückgedrängt. Der US-Bundesstaat New York hat die Bevorzugung von Opfern des historischen Unrechts bei der Vergabe von Lizenzen in die Regulierung eingewoben, und das Unrecht somit politisch nicht nur anerkannt, sondern den Versuch unternommen, es zu heilen.

Seit 1971 versuchen Menschen mit Argumenten und Aktivismus gegen den Krieg gegen Drogen vorzugehen, weil von Anfang an klar war, dass es allein der sozialen Kontrolle dient, und nur Schaden in der Gesellschaft anrichtet. Viele dieser Leute haben Unterdrückung, Ausgrenzung, Verfolgung und Haft erfahren, und dennoch geforscht, Bücher geschrieben und in den Medien versucht aufzuklären, sie haben gezüchtet, geschmuggelt und verkauft. Wer jetzt 25 ist, kann sich kaum vorstellen wie es vor 25 Jahren war, ein Museum über Hanf zu eröffnen und am Laufen zu halten, oder für die Legalisierung auf der Straße zu demonstrieren.

Diese Menschen verdienen unseren Respekt. Sie werden nicht an PolitikerInnen verraten, oder einfach vergessen. Sie werden geschützt und bevorzugt in einer Legalisierung, die den Namen auch verdient.

Ich bin in ein paar Razzien und dutzende Verkehrs-, Personen- und Grenzkontrollen gekommen. Bis heute werden in Deutschland alle hart bestraft, die eine als Medikament zugelassene Pflanze ohne Verordnung anwenden, mit großen regionalen Unterschieden und der damit verbundenen Rechtsunsicherheit. Was in Berlin keine Katze vom Baum lockt, kann in Bayern deine Zukunft komplett ruinieren, und das ist nur die KonsumentInnen Perspektive. Die Leute, die 50 Jahre geschmuggelt, produziert und verkauft haben, um den geschätzten 4-8 Millionen KonsumentInnen in Deutschland ihr Weed im Joint zu beschaffen, waren weitaus schlimmeren Problemen ausgesetzt, von Gefängnisstrafen hier bis zu Todesstrafen wie in manchen Herkunftsländern. In der gewaltsamen Verfolgung von Drogen war sich die Welt fünf Dekaden einig, jedoch ohne nennenswerten Erfolg, wie wir heute wissen. Die Negativbilanz des War on Drugs ist dagegen fast Allgemeinwissen geworden, die positiven Erfahrungen aus Regionen mit Freigabe tun ihr Übriges, um im Rest der Welt einen Trend auszulösen, bei dem Deutschland nun ankündigt, mitmachen zu wollen.

Social Media, insbesondere der Nachrichtendienst Twitter, hat diesmal bei der Verbreitung von Informationen, Fakten und Hashtags die massiv trendeten sehr geholfen. Von so einer Möglichkeit konnten die Aktivis vor der Digitalisierung nur träumen, während Flugblätter und Pamphlete mit der Handkurbel kopiert wurden.

Diese Welle von Accounts, darunter die, die sich in der Zeit zwischen 2018 und 2021 angemeldet hatten, brachte zusammen mit der Tatsache, dass Twitter zwar als nur von 6 % der Deutschen genutzter Dienst dennoch recht effektiv in Reichweite und Botschaft sein kann, der Legalisierungsbewegung einen enormen Schub, der seinen Höhepunkt im Wahlkampf 2021 fand. Das mag auch daran liegen, dass diese 6 % sich zu einem großen Teil aus Media, Politik, Jura und Wissenschaft bilden.

In den Jahren 2019-21 war der sogenannte #Weedmob, eine durchaus im positiven Sinn passende Selbstbezeichnung, auf Twitter hyperaktiv. Als der bekannte Aktivist Richter Andreas Müller 2021 selbst einen Twitter Account eröffnete, wurde die Welle zu einem Tsunami. Müller wurde zur Galionsfigur der Legalisierungs-Bewegung schlechthin, nachdem er jahrelang auf Messen und Events unterwegs gewesen war, Vorträge hielt, 2 Bücher schrieb und durch seine Energie und Authentizität überzeugte. Diese Glaubwürdigkeit bekommt er nicht zuletzt durch seine Geschichte, die ihn auch motiviert. Ihm gelang das scheinbar unmögliche: Er vereinte den schillernden und zerrissenen Weedmob für ein paar entscheidende Monate im Wahlkampf. Richter, Hanfverband, Aktivis, Twitterblase, alle zogen eine schöne Zeit lang am selben Strang und erreichten damit sehr viel.

In so einer Euphorie und Welle passieren selbstverständlich auch Fehler. Andreas Müller kommt als komplett unerfahrener User auf Twitter und hat innerhalb weniger Wochen 50k FollowerInnen die ihn zum Personenkult erheben und alles tun, was er möchte. Das bringt quasi über Nacht große Verantwortung mit sich, was der beliebte Richter als Twitterneuling gut gemeistert hat. Es besteht auch immer Gefahr, dass Trittbrettreisende versuchen auf der Welle mitzureiten. Sogar die Junge Union hat das versucht, mit überraschendem Erfolg, am Ende gab es Streit im Weedmob und eine Selbstbeschau wurde „um der Sache willen“ verweigert. Wie oft im Leben ich den Satz schon gehört habe…

Die Jungkonservativen waren sicher erheitert, mit Personenkult kennen die sich ja gut aus.

Ist Aktivismus korrekt, wenn es alle legalen Möglichkeiten immer maximal nutzt und ausreizt? Ist es sinnvoll, einen Nachrichtendienst wie Twitter mit Hashtags zu spammen, nur um der Sache willen? Muss man jedes Promi Account auf Händen tragen, nur weil es mal was mit Cannabis gesagt hat, und grinst? Bleibt keine Zeit für einen Blick auf Details?

Unterm Strich wurde das Meiste ganz richtig gemacht, keine Frage. Die Abwehr auf bestimmte Kritik ist daher unnötig, die Sache ist durch, wir haben es geschafft. Darum kann ich wohl für mich entscheiden, dass ein Hashtag mit Olaf Scholz ein No-Go ist, und ich sage und begründe das auf einem digitalen Nachrichtendienst. Halten sich Manche für so perfekt, dass sonst nichts mehr gilt?

Ein Beispiel:

Olaf Scholz hat als Innensenator in der Hansestadt Hamburg in den 90ern den Tod eines 19 Jahre alten Mannes durch die sogenannte Brechmittelfolter zu verantworten. Beim Einsatz von Brechmitteln werden diese einer fixierten Person Zwangs-verabreicht, mit einem unter Zwang verlegtem Nasenschlauch, unter ärztlicher Aufsicht, bis die Person sich immer wieder erbricht. Das wurde gemacht, um die verschluckten Drogenkügelchen die zumeist koksähnliche Substanzen oder Morphine enthielten, zurück ans Tageslicht zu fördern, um den Verdächtigen Handel nachweisen zu können. Diese Prozedur wird einhellig von allen Menschenrechtsorgas als Folter verurteilt, und es gab dann wegen einem weiteren Todesfall ein Urteil des EUGH und eine Rüge von Amnesty International.

Der junge Mann ist während der Prozedur immer wieder vor Erschöpfung ohnmächtig geworden, es wurde weiter gemacht, bis zur völligen Erschöpfung, der Delinquent wurde stationär aufgenommen, wo er vier Tage später verstarb. Also Tod durch Entkräftung durch stundenlanges Kotzen unter ärztlicher Aufsicht, wegen Verdacht auf Drogenhandel. Olaf Scholz war zu dem Zeitpunkt abgewählt, hatte die Folterpraxis aber als erster bundesweit gegen allen Warnungen zeitnah vor der Wahl eingeführt, die dann von seinem Nachfolger in Amt beibehalten wurde, und zu dem grausigen Todesfall führte.

Das sorgte für eine Welle der Empörung, während sich die Radikalkonservativen die Hände rieben. Wieder mal hatte die SPD ihnen die Drecksarbeit abgenommen, und ein grausiges Exempel statuiert. Am illegalen Marktgeschehen änderte dies nichts. Die staatenlosen und passlosen Dealer waren weiter Sklaven der OK, und der Einsatz von Brechmitteln wurde trotz diesem furchtbaren Todesfall bis 2006 beibehalten, landesweit als Abschreckung. Eine politische Bankrotterklärung. Der Mann, der jetzt Kanzler wurde, ist aus diesem einen Grund schon kein Kandidat für irgendeine Form der Unterstützung aus dem Weedmob. Ein Hashtag mit seinem Namen und Konterfei vertwittert ist Unterstützung. Seltsam, dass das erklärt werden muss.

Mich macht dieses Unwissen und die Oberflächlichkeit daran ganz irre. Ich will keine Legalisierung um jeden Preis. Ich möchte genau hinsehen, wer als Ally taugt, und wer eher nicht so, obwohl ich seit 43 Jahren darauf warte. Wir wollen als ernst zu nehmende Fachmenschen anerkannt werden, aber lassen uns immer wieder am Nasenring von erklärten GegnerInnen vorführen. Ich bin bald 10 Jahre auf Twitter und war immer für berechtigte Kritik dankbar, als jemand der zwar polemisch rüberkommt, aber nicht verletzen will. Ich weiß, wie es ist von Followis getragen zu werden und wie es sich anfühlt einen Platintweet zu landen. Das ist nicht ohne, und ohne Begleitung und Kritik wäre ich sicher nicht da, wo ich im Social Media angekommen bin, als Boomer, und es sieht so aus, als wenn das noch nicht das Ende ist.

Nehmt bitte nicht jede Kritik sofort persönlich, sondern euch mal zurück und überlegt kurz, ob das ein ganz persönlicher Angriff war, oder eben berechtigte Kritik, auch wenn das gerade eure tolle Kampagnenidee zerschreddert.

Jetzt ist leider wieder Schluss mit Einheit im Weedmob. Die Goldgräberstimmung greift um sich und wer bisher viel Zeit und Geld investiert hat, will endlich was davon haben. Verständlich, aber es geht um mehr. Whataboutism oder Not all Weedmob bringen garnichts bei einer so schillernden Gruppe. Mir würds schon reichen, wenn für den Aktivismus nicht noch jene genutzt werden, die uns immer durch den Kakao gezogen haben.

Es bleibt viel zu tun, also konzentrieren wir uns gemeinsam darauf. Jetzt nicht verspielen, was erreicht wurde, so weit sind wir nie zuvor gekommen.

@olliwaack

Die Hanfparade 2021

Endlich gab es wieder eine Hanfparade unter freiem Himmel. Mit gut gelaunten Leuten, viel Musik und den üblichen RednerInnen aus Politik und Aktivismus. Nach dem eher nicht so guten Auftritt vergangenes Jahr, pandemiebedingt online, war es diesmal mehr wie eine echte Hanfparade.

Gegen 14.30 Uhr kamen wir am Neptunbrunnen an und ich schaute mich suchend nach bekannten Gesichtern um, erschwert durch die klugerweise getragenen Masken. Wir klapperten die Stände ab, hielten hier und dort einen Plausch, als wir dann auf den Doktor Steinmetz und Roman vom Podcast Sucht&Ordnung trafen. Nicht immer sind Real Life Treffen von Twitternden schön, diesmal schon. Es ist mitunter unbefriedigend, Leute die ich auf Twitter interessant finde, niemals im RL zu treffen. Wir zogen zur Erkennung kurz die Masken runter, der Doc hatte mich schon irgendwie von Weitem erkannt, und freuten uns über die versammelte Fachkompetenz. Noch ein kurzes Gespräch mit Ehrenrichter Müller, und dann setzte sich der Demozug in Bewegung. Der Truck der Linken hatte anfangs die beste Musik, also hängten wir uns hinter. Immer wieder kurze Flashbacks, wie es sich anfühlte 2016 mit weit über 10k teilnehmenden vom Washington Platz aufzubrechen, selbst auf dem Truck zu stehen, mit tausenden dahinter. Kurz vor dem Brandenburger Tor verließen mich die Kräfte, und ich setzte mich auf eine Bank, um das Geschehen zu beobachten, und mit einer Anwendung im Mighty meine Rückenschmerzen zu mildern. Jetzt haben wir 2021, und ein Veteran der Hanfparade formulierte es so: “Wir waren mal 20k.” Das fasst es eigentlich schön zusammen, und wir können uns fragen: ist die Hanfparade als Aktionsbündnis noch wirksam, oder sollen wir sie Partyveranstaltung für eingeschworene Fans nennen?

Olli auf dem Truck.

Selbstverständlich war und ist die Hanfparade eine wichtige Säule der Legalisierungsbewegung, das steht außer Frage. Der Dank gebührt all Jenen, die seit über 20 Jahren Zeit, Herzblut und Gesundheit aufopfern, um diese wichtigen Demonstrationen für eine vernünftige Regulierung von Cannabis über all die Jahre am laufen zu halten, immer wieder. Der Rückzug von Steffen Geyer aus der Orga war zusätzlich spürbar, sein Verve und seine Energie hinterlassen eine Lücke. Niemand verhandelt so hart mit der Polizei, wie diese mir ggü bei einer Routenplanung gestand. Polarisiert und provoziert hat er, aber immer wieder die Massenveranstaltung auf die Beine gestellt, mitunter gegen jede Wahrscheinlichkeit. Bis heute kleben sich Leute diese Mammutaufgabe ans Bein, und verdienen Respekt und Dank. Es war wichtig, mit mehr als 10k Leuten vor dem Bundesministerium für Gesundheit zu stehen, und über die Lautsprecher Kritik zu üben und Position zu beziehen. Die Hanfparade war seriöses Highlight in der AktivistInnenszene, es gab Bündnispartner aus dem bürgerlichen Lager, wie die Eltern für Legalisierung zum Beispiel. Es gab Parteien, die teilgenommen haben, und eine Menge Firmen und KünstlerInnen. Ich hatte die Ehre als Landesbeauftragter für Suchtpolitik mit einem fähigen Team auf den Paraden 15/16 den Musiktruck für die Piraten zu bespielen, wir hatten die größte Crowd dahinter und es sind fantastische Erinnerungen an tolle Leute und gut gelaunte Partystimmung in der Sonne, trotz aller Widrigkeiten.

Ein bunt gemischtes, junges Publikum.

Jetzt haben wir 2021. Die Pandemie hat die Welt verändert, die Erderwärmung wird dasselbe tun. Auch beim Cannabis haben wir eine deutlich andere Situation als noch 2015. Ein weltweit anhaltender Trend zur Regulierung hat die Perspektive auf die einst so dämonisierte Pflanze verschoben. Internationale Organisationen wie die Weltgesundheitsorganisation schwenken auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse um, und plädieren für die medizinische Nutzung und Entkriminalisierung von Cannabis. Bundesstaaten wie New York gehen höchst progressive und herausfordernde Wege in der Legalisierung. Die in Deutschland verabschiedete Verordnung zur Versorgung von PatientInnen mit med. Cannabis von 2017 geht in das 5te Jahr, und mehr Menschen wollen Cannabis als Medizin. Wir haben Startups aus dem Bereich Import und Vertrieb von med. Cannabis, es gibt Firmen die produzieren und es gibt einen Trend zum Nutzhanf in der Landwirtschaft. Alles Fortschritte, die vor 10 Jahren noch völlig utopisch waren. Wer hätte 2009 gedacht, dass die Apothekenumschau 2020 mit CBD Salbe wirbt? Oder, dass Startups CBD Produkte anbieten?

Wir haben also gesellschaftlich eine andere Situation als 2009. Politisch leider fast genauso, bis auf die oben erwähnte VzVmmC. Hier geht die Schere auseinander. Die Gesellschaft hat verstanden, dass eine vernünftige Regulierung von Cannabis als Genussmittel mehr Jugendschutz und mehr Schutz der öffentlichen Räume bei weniger Geld für die Organisierte Kriminalität bedeutet. Die Politik verweigert sich dieser Erkenntnis wider besseres Wissen. Wer es bis jetzt nicht kapiert hat, denen ist nicht mehr mit Argumenten oder Demonstrationen beizukommen. Die müssen abgewählt, und in den Orkus der Gechichte geschickt werden, um hier den Bimbeskanzler zu zitieren. Eine Hanfparade als Infoveranstaltung und Plattform für PatientInnen und KonsumentInnen verliert vor dieser Entwicklung an Bedeutung. Natürlich muss weiterhin Überzeugungsarbeit geleistet werden, aber wir, also alle die Cannabis auf die ein oder andere Weise anwenden, aus Gründen, sind keine schillernde Randgruppe mehr, sondern auf dem Weg in den Mainstream. Somit werden so wichtige Veranstaltungen wie die Hanfparade zur Folklore, zur Tradition für Fanbois und Girrls. Längst wird die wichtige Aufklärungsarbeit von MedizinerInnen, PsychologInnen, ToxikologInnen und vielen mehr in die Bereiche der Gesellschaft getragen, die auch von der Hanfparade bisher kaum erreicht wurden. Es gibt Projekte und Social Media, die als Katalysatoren für Aufklärung und Aktivismus wirken, und so genutzt werden. Das macht die Hanfparade in der jetzigen Form zu einem Fossil. Ja, das klingt erstmal hart, aber es soll nicht bedeuten, dass wir es lassen. Wir können uns aber fragen, wie wir die Parade im Wandel der Zeiten in Zukunft haben wollen, und wie wir das erreichen können.

Wir stehen kurz vor einer entsetzlich wichtigen Wahl. Unsere Stimme wird in den kommenden Zeiten mehr wiegen, als alle Aktivitäten der vergangenen 12 Jahre. Jetzt ist die Zeit der politischen Veränderungen, um endlich eine Regulierung zu erreichen die die Kriminalisierung von Millionen BürgerInnen beendet, und neue legale Wirtschaftszweige ermöglicht. Die mit Stigma und Vorurteilen aufräumt, und uns schützt, vor Verfolgung und Isolation. Die die Unverhältnismäßigkeit des Verbots erkennt und handelt.

Dann können wir auf allen kommenden Hanfparaden wieder aus reiner Freude tanzen und feiern.

Hanfparade 2015, ein Schild sagt: CDU wählen ist heilbar.

Alle Fotos sind von der Hanfparade 2015, mit freundlicher Genehmigung von Heinrich von Schimmer.

https://www.heinrichvonschimmer.de/hanfparade2015/#71

Theobroma

Heute nutze ich diese Plattform, um auf meinen Kakaokurs am 27.11.2014 hinzuweisen, und das Konzept vorzustellen.

Kakao ist ein Rohstoff, der seit  mehr als tausend Jahren in Südamerika fester Bestandteil des Kulturkreises ist und war. Seit einigen Jahrhunderten wird der Kakao auch in Europa konsumiert und verarbeitet.

Mit der Industrialisierung kamen mehr oder weniger kritische Begleiterscheinungen. Der, für die europäische Zunge, zu kräftige Geschmack wurde mit viel Zucker, Fett und Vanillin egalisiert, die Kakaopflanze nach Afrika exportiert und auf Monokulturtauglichkeit gezüchtet.

Die Hintergründe des Anbaus, Handels und Vertriebs werden aufgezeigt. Welche Produkte sind keine überteuerte Augenwischerei? Welche sind wirklich fair? Wie kann ich als Konsument unterscheiden?

Im Laufe des Abends lernen die Teilnehmenden wie man aus Kakaobohnen eine Masse herstellt, diese schmilzt und temperiert und zu einer schmackhaften Schokolade macht, indem sie es selbst unter Anleitung tun.

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Abschließend werden die Ergebnisse verkostet und über die Inhalte des Abends eine offene Diskussion geführt.

Es werden ausschließlich Kakaobohnen aus fairem Handel verwendet, mit transparenter Herkunft. Eine Auswahl echter, edler Schokoladen zum Verkosten ist vorhanden. Dazu gibt es Wein und Wasser, frisches Brot und kleine Snacks.

Der Kurs findet am 27.11.2014 in den Räumen von Leckerwissen, Grüntaler Strasse 72, von 1800-2200 Uhr statt.

Die Teilnahmegebühr beträgt 40,- Euro pro Person und ist entweder im Voraus auf das Konto Oliver Waack-Jürgensen Nr. 1063597931, BLZ 100 500 00 Betreff: Kakaokurs2711 zu überweisen oder am Abend passend in Bar zu entrichten.

Anmelden könnt ihr euch bis zum 25.11.2014 bei mir. Mail: olliwaack@gmail.com oder bei Twitter unter @Psychonaut. Es ist auch eine Anmeldung direkt über Leckerwissen möglich. Abhängig von der Anzahl der Teilnehmenden sind auch Spontananmeldungen bis kurz vor Beginn möglich, bitte bei mir erfragen.

Die Kleidung sollte ein oder zwei Kakaoflecke aushalten können…;)

Melden sich weniger als 8 Teilnehmende an, findet der Kurs nicht statt, eventuell geleistete Zahlungen werden zurückgegeben. Teilnehmende sind auf zwölf limitiert. Es findet im Dezember ein weiterer Kurs statt.

MannFrauKakao

Wir freuen uns auf euch!

Stop TTIP

Am 24.05 will ein Bündnis aus Parteien und NGOs in Berlin gegen TTIP und für Verbraucherschutz, Arbeitnehmerschutz und Transparenz auf die Straße gehen.

Start ist 1300 Uhr am Herrmannplatz, geplant ist eine Abschlusskundgebung Potsdamer Platz ab 1530Uhr mit Musik, Informationen, Aktionen und Party.

Unser Zug vom Hermannplatz hat nur wenige Auflagen: friedlich, entschlossen und so viele wie möglich. Da es sich um ein Bündnis aus verschiedenen Gruppen handelt wird auch nicht-KandidatInnen Gelegenheit gegeben zu Reden. Im Zug als Partei auftreten ist ausdrücklich erwünscht.

Die Zusammenarbeit mit der Polizei war bisher bemerkenswert konstruktiv und respektvoll. Wir möchten das auch während der Veranstaltung  bei behalten und werden sofort gegen Provokationen und Störer vorgehen. Geben wir der Polizei keinen Grund unseren Zug vor Ankunft am Potsdamer Platz zu stoppen und demonstrieren wir den BeamtInnen, dass wir auch sie als Betroffene wahrnehmen.

Zeigen wir der Regierung, dass wir keine Verträge wollen, die die Zivilgesellschaft und ihre Instrumente aushebeln. Gehen wir am 24.05 auf die Straße!

 

 

Babylonische Verwirrung und eine Liebeserklärung

Ich hole etwas aus: Als ich nach dem Scheitern meiner Selbständigkeit als Genusserzeuger 2011 anfing für die Piraten in der LGS/BGS zu arbeiten sah ich mich Anfangs vor große Herausforderungen gestellt. Meine bis dahin eher egozentrische Lebensart wandelte sich. Ich war neugierig, offen und überzeugt davon mit dieser Arbeit nicht nur keine Zeit zu verschwenden, sondern auch das Richtige zu tun. Die technischen Anforderungen machten mir zu schaffen denn auch wenn ich 1986 meinen ersten Atari 128ST besaß, mit Datasette, wurde ich doch nie zum Programmierer, zum Nerd. Höchstens ein versierter User und ordentlicher Gamer.

In der LGS traf ich zuerst auf Würfel und konnte bei der Arbeit die schillernde Vielfalt der ParteimitgliederInnen beobachten. Endlich hatten es die unterschiedlichsten Menschen geschafft sich politisch in einer neuen Partei zu engagieren, und ich war Teil davon. Großartig! In der P9a hatte ich Zugang zu vielen Ebenen, lernte viel, übte Toleranz und schaffte es einen der fünf besten Espressos in Deutschland als Dauerabo zu installieren. Geht mal da vorbei und trinkt einen Espresso pur oder Latte, dann versteht ihr was ich meine.

Ich begann mit Menschen zu reisen. In andere Landesverbände. Wenn ich dann nach Berlin zurückkehrte war es gut. Auf der Rassismuskonferenz lernte ich erstmals die Menschen etwas kennen, die heute gern als Linksfaschisten (furchtbar dummes Wort) diffamiert werden. Das für mich durchaus in Teilen schwer verdauliche Konzept des Antirassismus in Bezug auf weiße männliche Mitteleuropäer provozierte mich zum Nachdenken. Meine Erfahrungen aus Nigeria halfen mir dabei. Menschen wie Harry, Oliver und Mareike habe ich als wach, kritisch und tolerant meinem Wunsch gegenüber erlebt, eine Spinne in der Raucherzone in ihrem Netz unversehrt zu lassen. Die unangemessenen Reaktionen und Empfindlichkeiten der Gegner kann ich nicht nachvollziehen.

Dann kam die Sache mit der PiratInnenkon. Ich wurde Teil der Orga einer Veranstaltung die so noch nie zuvor von einer Partei zur Analyse und Meinungsbildung geplant und durchgeführt worden ist. Die das sogenannte piratige Mandat als reale Möglichkeit etwas zu tun bewies. Die Wochen mit all den Menschen gemeinsam an der Verwirklichung dieser Idee arbeiten war schönstes Erleben. Ein rasantes Abenteuer an dem ich mich entzünden konnte und für das wir alle Alles gegeben haben. Danach lernte ich das Gefühl kennen welches entsteht wenn versucht wird, etwas wofür man brennt zu zerstören, in den Dreck zu ziehen usw. Ihr kennt das. Eine hässliche Szene wurde provoziert und daran entzündete sich pure verbale Gewalt, gepaart mit Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Die Ergebnisse der Kon haben wenige interessiert. In der feministischen Bewegung wurde viel von den Ergebnissen nicht reflektiert, dabei waren es die Feministinnen, die diese Kon gefordert haben, aber das nur am Rande. Die Erkenntnisse haben nicht alle vergessen. Kommunikation, Diskriminierung, Gewalt.

In meinem Bezirk, erhielt ich eine Beauftragung und die Mitglieder des LV Berlin wählten mich in das Landesschiedsgericht. Bisheriger Höhepunkt war der http://www.piratentalk.org der als Idee begann und bis heute 17 Aufzeichnungen von Thementalks anbietet. Wieder ein piratiges Mandat, wieder umgesetzt von Ehrenamtlichen mit Hilfe von wenigen Profis. Ohne Budget. Wenn ich hier weiter aufzähle wird es langweilig und unglaubwürdig. Das ist aber nur ein Ausschnitt von dem was ich mit Piraten erlebt habe.

Und jetzt erzählt mir mal bitte in welcher Partei ihr in knapp drei Jahren so verschiedene und fordernde Aufgaben bekommt, so selbständig & selbst organisiert arbeiten könnt bei der Umsetzung von Projekten. Keiner fragt was du denn gelernt hast. Niemand will wissen ob du vorbestraft bist oder wie viel Schulden du hast, mach doch einfach, wir sehen dann mal. Wo man euch die Wahlkampfzentrale zur Verfügung stellt. Scheitern und Fehler nicht die Ausnahme sind, aber versucht wird besser zu werden. Wo zumindest in Teilen offene Strukturen gelebt werden, Tools zur Mitbestimmung entwickelt und getestet werden. Bei allen Problemen, ist es das nicht wert?

Genau so nehme ich das hier im Landesverband Berlin wahr. Welcher Teufel reitet euch, das wegmachen zu wollen. Welche panische Gewalt steckt hinter der Pauschalisierung und wieso fallen wir darauf herein?

In diesem Babylonischen Sprachgewirr steckt System. Wortverdrehungen sind ein tool, provozieren leicht gemacht. Es fehlt an klaren Definitionen für politische Begriffe. Die Menschen hier in Berlin nehme ich als erstaunlich ruhig und gelassen wahr angesichts der um Lichtjahre überzogenen Haterwelle. Ihr kommt nicht klar mit einer Minderheit und wollt die darum “weg” haben.

Ich will die aber dabei haben weil ich keine flache, öde Allerweltspartei will. Mir doch egal ob das unbequem oder schwierig ist. Genau dafür sind wir ja da! Diese Dinge zu überwinden und zu zeigen wie das geht mit der gewachsenen Kommunikationskultur, mit dem Diskurs. Immer wieder und aufs Neue. Wenn ihr das nicht wollt, dann lasst uns bitte einfach in Ruhe machen. Irgendwann nutzt es euch dann auch. Ja, auch euch.

Murmeltiertag und die Verdrängung

Dies ist aktuell der heftigste Shitstorm, den ich bisher bei den Piraten erlebt habe. Bei Vorangegangenen konnte ich distanziert-ironisch abwarten und habe einfach weiter mein Ding durchgezogen. Diesmal nicht.
Bisher konnte ich über MitgliederInnen nur den Kopf schütteln, wenn mangelnde Initiative mit Parteistreitigkeiten/umstrittenen Personen begründet wurde oder mir mit verständnislosem “Warum tust du das alles für die?” begegnet wurde. Jetzt ist das anders. Jetzt denke ich sehr gründlich darüber nach, was ich wann für wen tue.
Auch wenn es nur wenige interessieren wird will ich hier meinen Sermon dazugeben, mir das von der Seele schreiben.

Antifaschistisches Bewusstsein ist, seit ich denken kann Teil von mir. Es gibt keinen speziellen Grund dafür, das versteht sich einfach von selbst. Das Wesen des Faschismus kann nicht toleriert werden. Sonnenklar. Sollte man meinen.

Meine erste Demo lief so: als ich etwa 11 Jahre alt war, um 1974 rum, machte ich mit Gasmaske einen Spaziergang durch unser Dorf im Bremer Umland um gegen Umweltverschmutzung zu protestieren. Völlig selbstverständlich nahm ich solo ein Grundrecht wahr: das Recht auf Protest und Provokation. Dazu brauchte ich weder Vorbild noch Anleitung, allein die Tatsache, dass wir unsere Welt kaputt machen genügte. Belohnt wurde diese Haltung wenige Jahre später mit dem Prädikat “schwer erziehbar” aber das nur am Rande.

Damals 1960-80 waren Sprach- und Verhaltensmuster aus der Nazizeit noch sehr verbreitet und es ging ein tiefer Riss durch die deutsche Gesellschaft, die Jungen misstrauten den Alten, die Alten logen und weinten, es war schwer zu vertrauen. Die historischen Details, die Mauer des Schweigens seitens der Mitläufer/Mittäter lösten eine Schockwelle aus, für die die RAF nur ein Symptom unter vielen war. Die Akte Odessa, das Auftreten der NPD und die Alltagserfahrungen machten klar: Der Faschismus ist in Deutschland noch lange nicht überwunden. Ein sehr großer Anteil in der Bevölkerung wollte dies aber. Eine ganze Generation wollte nichts lieber als diese Schuld klären und damit aufräumen. Dann kam H. Kohl, vertrat den europäischen Gedanken und brachte das Projekt Europa voran, während parallel dazu im Lande ein gigantisches Konditionierungsprogramm startete. Es war wieder okay stolz auf sein Land zu sein, durch Wirtschaften seine Kriegsschuld bezahlt zu haben, den Blick “nach Vorn” zu richten, anständig und fleißig zu sein, auch mal Spaß zu haben, seinen Verbündeten ein verlässlicher Partner zu sein. Eine Versöhnung mit der Vergangenheit, ja gar Aufarbeitung hatte jedoch nicht stattgefunden. Das wurde geschickt verdrängt und fällt uns heute in Form von antieuropäischen Strömungen und der nationalistischen Denke auf die Füße.

Und da bin ich endlich beim Thema: Verdrängung. Wir haben in den vergangenen Jahren voller Wahlkämpfe, Wahlerfolge und Wahldebakel versäumt die Lehren, die daraus gewonnen werden konnten, anzunehmen und stattdessen verdrängt. Mit großem Aufwand wurde von den eigentlichen Gründen, die immer wieder benannt wurden und auf Kons herauskristallisierten, abgelenkt. Mitmenschen, die das benannten wurden bedroht, geblockt, verleumdet, ignoriert, usw.

Die aktuelle Form der Auseinandersetzung erreicht eine Eskalationsstufe, die mich nötigt auszusteigen. Parteiarbeit nur auf Landesebene, weitere Aktivitäten nur bei Vereinen wie PEIRA und anderen. Gerne mach ich von Zeit zu Zeit einen Talk und unterstütze weiter nach Kräften das Team vom Piratentalk.

Soviel Ignoranz und Hass, gepaart mit Unwissenheit und Selbstüberschätzung bestürzt und erschreckt mich. Was wollt ihr in einer Partei, wenn ihr mit Wahlergebnissen überhaupt nicht umgehen könnt?  Gewählte Menschen hat man verdammt nochmal bis zur nächsten Wahl zu akzeptieren. Bei einem vermeintlichen Fehler, einer “falschen” Stellungnahme oder wasauchimmer so auszuflippen, zeugt von demokratischer Unreife. Geht spielen, aber lasst das mit der Politik.

Ich schäme mich für Landesvorstände, die glauben hysterisch Stellung beziehen zu müssen und dabei nur ihre Ängste und Ahnungslosigkeit offenbaren. Die eine Satzung zitieren und das Zitat selbst sie entlarvt, ihr verdrehtes Verständnis, das sich immer nur auf die Anderen bezieht. Einigermaßen erträgliche Ausnahme der LV SH, wo wenigstens weitgehend auf Schnellschusspolemik verzichtet wurde. Mit der Annahme, wir wären sozialliberal liegen sie aber genauso daneben. Wir sind AUCH sozialliberal, die gesamte Partei lässt sich unmöglich so charakterisieren.

Hier kommt ein weiteres Problem zutage: es entsteht der Eindruck von Schubladendenken, von Definitions- und Erklärwahn, von gewünschter Berechenbarkeit, von fader Vorhersehbarkeit. Das ist mit Piraten unvereinbar und ich lehne es entschieden ab diese Partei in irgendein Schema pressen zu wollen. Inzwischen habe ich begriffen, dass die Tools und Entscheidungshilfen der Partei zwar fehlerhaft und unvollkommen sein mögen, sie aber auf passende Weise die schillernde Vielfalt der Partei einzubinden versuchen, versuchen ihr gerecht zu werden. Und da kommt ihr daher mit eurer Unzufriedenheit über ein Wahlergebnis und versucht euch mit Gewalt durchzusetzen.

Beschämend auch der Erpressungsversuch der Hausmeisterpiraten, die ein ihnen anvertrautes Tool als Druckmittel einsetzen. Die Nerven liegen anscheinend blank und die Emotionen kochen hoch, wie beim Fußball. Das hier ist aber kein Fußball.

Dieser Kommunikations GAU ist eine Serie von Schlägen in die Gesichter aller engagierten und tätigen Mitglieder. Das ihr hier nicht innehalten könnt und mal die Kresse einfach halten, um nicht noch mehr Verletzung anzurichten, das nehme ich euch übel. Richtig mies übel. Wir haben massiv Vertrauen verspielt, innen wie Außen, und das wird nur sehr schwer wieder herzustellen sein. Da ihr als Sahnehäubchen obendrauf die Schuld dafür einer provokanten Aktion bzw einer Person anlastet wird es nicht besser, im Gegenteil.

Den Menschen, die in diesem Intelligenz-befreiten Sturm aus Hass und Scheiße die Ruhe bewahrt haben, die vernünftig argumentiert haben und sich schützend vor Angegriffene stellten, vor denen habe ich Respekt und bin ihnen dankbar. Ihr habt weiterhin mein Vertrauen.

Sebastian Marincolo, High.

Der Versuch einer Rezension.

Es ist sehr lange her, dass ein kompetentes, informatives Buch zum Thema Cannabis in deutscher Sprache erschienen ist. Das Definitive deutsche Hanfbuch sei hier genannt, und natürlich der Klassiker Von Hanf ist die Rede von Hans-Georg Behr. Jack Herers Marihuana darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Alles Erscheinungen von vor über 20 Jahren, die sich überwiegend mit der Prohibitionshistorie und dem Handel auseinandersetzen, oder sehr fachorientiert die Chemie und Biochemie erläutern die im Zusammenhang mit Cannabis eine Rolle spielt.

Die Stigmatisierung und Kriminalisierung, der man als bekennender Cannabis Konsument ausgesetzt ist, scheinen den Mut zu senken, ein spannendes und zeitgemäßes Buch zum Thema zu veröffentlichen. Viele Jahre mussten wir uns mit veralteten und z. T. überholten Werken begnügen oder auf das zurückgreifen was Fachmagazine und Züchter in ihren Foren und Hauspostillen lieferten. Ausnahme Rauschzeichen von Steffen Geyer auf das ich an anderer Stelle gern eingehen will.  Aber Sebastian Marincolo gelingt mit seinem Buch High der Brückenschlag zu einer lange überfälligen Perspektive auf Cannabis: die psychologisch-wissenschaftliche.

Diese fernab der Dämonisierung liegende Betrachtungsweise zeigt Interessierten einen bisher von der Politik  gradezu zwanghaft ignorierten Aspekt des Cannabisrausches: die positiven Auswirkungen auf die Psyche und die Entwicklung von Menschen. Angeregt durch die wissenschaftliche Arbeit von Lester Grinspoon von der Harvard University sowie unzähligen dokumentierten Erlebnisberichten, beschreibt Marinolco präzise und verständlich die positive psychische Wirkung von Cannabisprodukten auf Menschen.

Und beim Lesen seines Buches wird plötzlich aus einer verteufelten, mit Ängsten und Verboten belegten Pflanze eine therapeutische Hilfe. Ohne Geschwafel analysiert Marinolco klar und verständlich, warum der Cannabisrausch einer großen Zahl Menschen hilft, sich in der Welt und im Selbst zu entwickeln und zu finden und kommt dabei ganz ohne esoterische Klischees aus. Ja, nun seid ihr möglicherweise skeptisch, bestenfalls überrascht, aber diese Analyse wird durch zahlreiche, auf der Webseite http://marijuana-uses.com/ archivierte Erlebnisberichte untermauert.

Haschisch als Lebenshilfe? Marihuana als Therapeutikum? Für kompetente, erfahrene Menschen offensichtlich kein Problem. Schafft die Prohibition Kompetenz? Entsteht Vertrauen, wenn mich Menschen denen ich vertrauen muss, denunzieren oder abziehen? Wäre es nicht klüger, durch Information Kompetenz zu schaffen und es den Menschen zu überlassen, ob sie Cannabis konsumieren wollen oder nicht? Diesen Fragen muss Mensch sich zwangsläufig nach Lektüre der Sammlung von Essays und Berichten stellen. Was hier im Weg steht, ist vermutlich die berechtigte und verständliche Furcht vor dem Unterbewussten. Deutschland hat von 61 untersuchten Ländern die zweitmieseste Fehlerkultur. Es liegt nahe, zu vermuten, dass hier ein Defizit im Umgang mit unbewussten, wenig kontrollierbaren Bereichen der Psyche resultiert.

Cannabisprodukte können Menschen helfen sich zu zentrieren, vertärken Empathie, geben Gelassenheit, setzen Impulse. Was wie eine Werbung für Psychopharmaka klingt, ist das Potential von reinem Cannabis, von kompetenten Erwachsenen konsumiert unter sicheren Bedingungen. So beschreibt es Marinolco. Voraussetzung ist dabei eine tolerante und offene Gesellschaft, die Fehlerkultur hat. Das es einen Jugendschutz geben muss versteht sich von selbst. Darüber hinaus hat der Staat sich rauszuhalten und den Menschen zu vertrauen. Wir haben das Thema im PiratenTalk bereits gestreift, http://www.youtube.com/watch?v=lkXwhnNwJFM , werden aber eine Folgesendung aufzeichnen, voraussichtlich im Januar. Dabei werden wir versuchen diesen Aspekt zu vertiefen.

Fazit: High von Sebastian Marincolo ist empfehlenswert für interessierte Menschen, die sich über das psychische und therapeutische Potential von Cannabis informieren wollen und das Vertrauen in staatliche Propaganda verloren haben. Neu ist neben der medizinischen Sichtweise der ausgiebige Blick auf Psyche und Sein. Lesenswert.